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Da zur Zeit keine Veranstaltungen stattfinden, möchten wir den Kontakt in Form von MONATSBRIEFEN halten.


BRIEF NOVEMBER 2021

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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes!

Eigentlich sollte der Novemberbrief nur eine Einladung zu einem gemeinsamen Nachmittag sein. Ich hatte uns auch schon im Gemeindezentrum der Maria-Magdalena Gemeinde angemeldet. Aber bei dem rasanten Anstieg der Coronazahlen und bei den immer häufiger auftretenden "Impfdurchbrüchen" scheint es uns doch zu riskant zu sein, zumal wir ja fast alle zu der besonders gefährdeten Gruppe gehören. Aber sobald sich eine Entspannung abzeichnet, freuen wir uns auf ein Wiedersehen und werden Sie rechtzeitig einladen.

Und eine Entschädigung für das nicht stattfindende Treffen soll nun die Einladung von Annelen Ottermann zu einem neuen "Gang durch das Gesangbuch" sein.

Matthias Claudius – der Mensch und seine zwei Choräle

Es ist nicht immer die Menge der von einem Dichter überlieferten Kirchenlieder – mitunter genügen eins, zwei Liednummern, die so starke Wirkung entfalten, dass sie sich ‚unsterblich‘ in das Gedächtnis der Menschen eingegraben haben. Texte, die Menschen über alle Altersgrenzen hinweg so zu Herzen gehen, dass sie sie "par coeur" - auswendig – rezitieren können.
Dies ist der Fall bei Matthias Claudius, dem diese Gesangbuchreise gilt: Im Register finden wir nur zwei Treffer unter seinem Namen, die aber so bekannt und beliebt sind wie nur wenige Lieder: Die Nummer 508 "Wir pflügen und wir streuen" – der Klassiker, der an keinem Erntedankfest fehlen darf – und vor allem die Nummer 482 "Der Mond ist aufgegangen", das zum unvergänglichen Vorrat an deutscher Poesie gehört.

Doch schauen wir zunächst auf den Dichter dieser zwei Texte, auf den Menschen und auf die Zeit, in der er lebte: Der 1749 im holsteinischen Reinfeld zwischen Lübeck und Bad Oldesloe geborene Pastorensohn bezog die Universität Jena, wo er nach einem abgebrochenen Theologiestudium zu den Rechts- und Staatswissenschaften wechselte, ohne darin wirkliche Erfüllung zu finden. Nach Stationen als Sekretär des Grafen von Holstein in Kopenhagen und redaktioneller Tätigkeit in Hamburg, wo es zur prägenden Begegnung mit Herder und Lessing kam, gab er seit 1771 als einziger Redakteur die 4 Seiten umfassende Wochenzeitung "Der Wandsbecker Bothe" heraus, die bis heute eng mit seinem Namen verknüpft ist. Hier gestaltete er die zeittypische Seite "Gelehrte Sachen" mit Rezensionen, Briefen, Gedichten, Prosastücken und wissenschaftlichen Abhandlungen, für die er namhafte Gelehrte gewann und selbst als Autor tätig war. Seine eigenen Artikel zeichnete er als der "Bothe" – einer fiktionalen Erzählerfigur mit autobiographischen Zügen, die auf den Berufsstand des antiken Götterboten und des frühneuzeitlichen Postreiters Bezug nahm, hier aber als laufender Postüberbringer mit den Insignien Wanderstab, Tasche und Hut unterwegs war und sich als Angehöriger des niederen Standes in betonter Bescheidenheit als Überbringer von Nachrichten verstand. Ab 1774 unterschrieb Claudius seine Beiträge mit dem seitdem verwendeten Pseudonym "ASMUS" (Esel). Mit dem "Wandsbecker Boten", der wegen zu niedriger Auflagen 1775 sein Erscheinen einstellen musste, erwarb sich Claudius einen Namen als Herausgeber. Seine hier erschienenen Texte veröffentlichte er pseudonym als "ASMUS omnia sua SECUM portans (Asmus, der Esel, der all‘ das seine mit sich führt). Die über einen Zeitraum von 38 Jahren erschienenen acht Bände griffen den Namen der Wandsbecker Wochenzeitung auf und trugen auch noch lange nach deren Einstellen den Untertitel "Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen". Das bis 1867 zum dänischen Königsreich gehörende Wandsbeck (dem heutigen Stadtteil Hamburg-Wandsbek) wurde sein Lebensmittelpunkt und Rückzugsort Hier heiratete er Rebekka, ein noch sehr junges Mädchen aus einer Handwerkerfamilie. Die mit ihr gegründete große Familie zu ernähren, wurde zur lebenslangen Herausforderung. Dies zwang den heimat- und naturverbundenen Claudius immer wieder, zur Sicherung des nötigsten Lebensunterhalts Anstellungen außerhalb seines geliebten Wandsbeck und fern seiner elf Kinder anzunehmen, so auf Vermittlung von Herder in Darmstadt beim Sekretär des Landgrafen Hessen-Darmstadt und als Redakteur der dortigen "privilegierten Land-Zeitung".

Die nur lustlos-halbherzig ausgeübte Bürotätigkeit in ungewohnten Abhängigkeitsverhältnissen befriedigte Claudius nicht, und als er nach schwerer Erkrankung wieder nach Wandsbeck zurückkehrte, wurden ihm schlechte Arbeitszeugnisse ausgestellt. Erst durch einen Ehrensold des dänischen Kronprinzen entspannte sich seit 1785 die prekäre finanzielle Lage für die Familie leicht. Im Alter besserte der polyglotte Claudius sein Einkommen mit Übersetzungen auf. Wandsbeck verließ er fluchtartig vor den Franzosen und wenig später vor den Schweden, verbrachte die letzten zwei Lebensjahre in Kiel und Lübeck, bevor er schließlich 1815 in Hamburg starb.
Durch das Sterben dreier seiner Geschwister im Kindesalter gelangte Claudius früh in Berührung mit dem Tod, der für ihn eine ambivalente Bedeutung hatte – bedrohlich und zugleich tröstend. Als "Freund Hain" gehörte er fortan zu seinem Leben, in dem er auch später noch an vielen Särgen stehen musste. Der Tod war präsent, wurde sein Partner, den er anreden konnte, den er in christlichem Gottvertrauen annahm und ihm sogar seine Schriften widmete.

Wie sein Zeitgenosse Johann Peter Hebel war Matthias Claudius ein volkstümlicher Dichter im besten Wortsinn, der es verstand, eine dem Volk verständliche Sprache zu pflegen. Sie war klar, schlicht und einfach, ohne sich anzubiedern. Trotz ihrer Einfachheit zeugten Form und Inhalt von einem geschulten Schriftsteller, der seine Worte mit Bedacht wählte, kunstvoll, ohne abgehoben und gestelzt zu sein – "Gebrauchs- und Lebensbegleittexte", wie ein Rezensent es formulierte.
Einfach, bescheiden-demütig und unaufdringlich wie die Sprache seiner Gedichte, Sentenzen und Lieder war das gesamte Wesen des Dichters und Menschen Matthias Claudius: Er selbst wollte ‚einfältig‘ in des Wortes ursprünglicher, positiver Bedeutung sein: aufrichtig, redlich, ehrlich. Jemand, dessen Reden, Schreiben und Handeln, Denken und Glauben in Einklang standen, ohne Falsch und Arg, der etwas bewirken wollte, ohne zu ‚wirken‘ und sich aufzuspielen, gebildet, aber nicht eingebildet. Claudius erreichte damit Herz und Verstand des Bürgertums als seiner Zielgruppe. Das Volk war für ihn keine abstrakte Größe wie bei manch einem der ganz Großen aus dem Dichterolymp seiner Zeit. Er sah in jedem Menschen den Bruder, er nahm sich der sozialen Frage mit Leidenschaft und Engagement an, wenngleich er das überkommene Sozialgefüge nicht in Frage stellte und dem traditionellen Obrigkeitsverständnis als einer von Gott gegebenen Ordnung anhing. Sein Menschenbild speiste sich aus christlichen Wurzeln, die Bibel bildete für den weltoffenen Christen Grundlage und Anleitung zum Leben als Vater und Ehemann, prägte aber gleichermaßen seine gesellschaftliche Verantwortung als Schriftsteller.

Matthias Claudius verkörperte mit Leben und Werk die widersprüchlichen Strömungen zwischen Aufklärung und Romantik. In ihm verquickten sich ganz widerstreitende Züge, und nicht alle seiner Zeitgenossen konnten mit seiner Lebensführung und Weltsicht etwas anfangen. Wandsbeck wurde zum Treffpunkt der großen spätaufgeklärten Gelehrtenelite, die Claudius aufsuchte und mit ihm im geistigen Austausch stand. Zu seinem Beziehungsgeflecht gehörten so große Namen wie Klopstock, Herder, Lessing, Hamann, Goethe, Voß, Schlegel, C. Ph. E. Bach, W. v. Humboldt, Lavater, Runge u. a. m. Manch ein Intellektueller fand jedoch keinen Zugang zu ihm, übte Kritik und Spott, hielt ihn für naiv, zu erbaulich, in seiner Frömmigkeit für unzeitgemäß und mit seiner Aufklärungsskepsis für einen im Alten Verhafteten. Goethe, den er bei einem Besuch in Weimar kennengelernt hatte, nannte ihn einen Narren und Wilhelm von Humboldt gar eine "völlige Null".
Bis heute gilt, was schon seine Zeitgenossen so empfanden: Matthias Claudius hatte viele Seiten – er ist nicht mit einer einfachen Formel zu erfassen, entzieht sich jeder billigen Kategorisierung! Eines aber können wir aber festhalten: Die Themen seines literarischen Schaffens waren Spiegel seines Lebens und von diesem nicht zu trennen – authentische "Gesprächswort[e] aus seinem Leben", wie ein Biograph einmal so treffend formuliert hat.

Kehren wir nun zurück zu den beiden Liedern im Gesangbuch:
"Wir pflügen und wir streuen" (EG 508) dichtete Claudius ursprünglich als bäuerliches Lied für ein Erntedankfest mit einem 16-strophigen Wechselgesang zwischen Vorsänger und Bauernchor. Eingang in evangelische Gesangbücher fand es Ende des 18. Jahrhunderts, wobei es bis in die 1950er-Jahre nur in einigen regionalen Anhängen und hier meist als Kinderlied erschien. Seit 1995 finden wir es nun auch im Stammteil des Evangelischen Gesangbuches.
"Der Mond ist aufgegangen" (EG 482), eines der berühmtesten und schönsten deutschen Volkslieder überhaupt, verdient einen intensiveren Blick. Denn in keinem anderen Text der deutschen Literatur ist, wie es in einer Einführung zu Claudius' Dichtungen heißt, "all das, was wir denken und fühlen, wenn wir Abend sagen, so unvergleichlich Wort geworden." Es wird von Menschen für das Kind in der Wiege ebenso wie für die Alten, Kranken und Sterbenden auf ihrem Lager gesungen und gebetet, ist aber auch Begleiter für Menschen mitten im eigenen Leben. Die sieben Strophen des Liedes sind nicht alle gleichermaßen geläufig, zeugen aber doch alle von tiefer Frömmigkeit und Lebensweisheit des Dichters.
Das Staunen über die Natur mit ihren Reichtümern und Wundern zeichnete Claudius von jeher aus und waren auch Auslöser für den Mondchoral mit dem literarischen Gattungsbegriff "Abendlied". Die hier von ihm aufgeworfenen Fragen und Zweifel im Zusammenspiel mit seinen Tastversuchen der eigenen Standortbestimmung entfalteten für Claudius eine befreiende Wirkung, der auch wir uns bis heute nicht entziehen können.
Auch wenn längst nicht auf alle diese Hinterfragungen und Bedenken eine Antwort greifbar war und ist, so weiten sie doch den Horizont, machen uns sensibel, lenken unseren Blick auch auf das, was wir als Menschen nicht erkennen und erklären können. Diesen "Überhang der Fragen, die keine Form von Wissenschaft bewältigen kann" (Hans-Georg Gadamer) auszuhalten, ist Ausdruck von Demut und spiritueller Gelassenheit. Und mit dieser Weltsicht, in der Stolz, Hochmut und Eitelkeit kein Raum gegeben wird, macht Claudius auch uns Mut, uns dem Fluss des Lebens und Gottes Geleit in den Fragen nach Herkunft und Ziel unseres Lebens anzuvertrauen.

Paul Gerhardt, dessen Spuren wir einer früheren. Gesangbuchreise gefolgt waren, spielte für Matthias Claudius eine wichtige Rolle. Von dessen "Nun ruhen alle Wälder" ließ er sich unmittelbar inspirieren und nutzte sie als Folie für sein "Der Mond ist aufgegangen". Ein Vergleich beider "Abendlieder" offenbart unübersehbare Parallelen in Text, Metrum und Reimschema der sechszeiligen Strophen. Er zeigt aber zugleich, wo Claudius bewusst neue Akzente setzen und einen anderen Gesamtduktus schaffen wollte. Schließlich liegen zwischen beiden Dichtern mehr als 130 Jahre. Nacht, Schlaf und Tod gehörten zu Claudius' Motivvorrat, den er dichterisch immer wieder bemühte und hier sein schriftstellerisches Können unter Beweis stellte. Die belebte und unbelebte Natur lieferte ihm dichterischen Stoff in Fülle und eröffnete ihm ein Ventil für seine lebenslange Beschäftigung mit den großen religiösen Fragen. Anders aber als Paul Gerhardt benutzte Claudius die so mannigfaltigen Erscheinungsformen der realen Natur, die für ihn nicht mehr den bedrohlichen Charakter wie noch im Barock hatten, nicht in erster Linie als religiöse Metapher. Er betrachtete sie vielmehr diesseits aller metaphorischen Deutungen auch als naturwissenschaftliche Phänomene, denen sein erkenntnistheoretisches Interesse galt. Unter Literaturwissenschaftlern wird der Choral als das "erfolgreichste Beispiel für […die ]aufgeklärt-pädagogische Kirchenliedpoetik des späten 18. Jahrhunderts" (Leif Ludwig Albertsen) eingestuft.

Die heute gebräuchlichen Melodien beider hier vorgestellten Choräle stammen von Johann Abraham Peter Schulz (1747 – 1800), der auch "Ihr Kinderlein kommet" komponierte. Das abendliche Mondlied, das noch im 20. Jahrhundert auf die Melodie von "Nun ruhen alle Wälder" gesungen wurde, gehört mit dem um 1905 komponierten vierstimmigen Satz von Max Reger zu den mehrstimmigen Chorstücken im Evangelischen Gesangbuch und im Gotteslob unserer katholischen Schwestern und Brüder (Nr. 93).

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, lass dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs bauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

Zum Weiterlesen:

Martin Geck:
Matthias Claudius. Biographie eines Unzeitgemäßen. München: Siedler, 2014. (24,99 €; lfb.)

Annelen Kranefuss:
Matthias Claudius. Eine Biographie. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2011. (antiquarisch lfb.)

Wie schön ist es, dass solche Dichter und Lieder existieren, die so unmittelbar zu berühren vermögen! Und ein solcher "Gang durchs Gesangbuch" kann doch einen nebligen Novembertag erhellen"

In diesem Sinn grüßen wir Sie ganz herzlich! Bleiben Sie gesund und von Gott behütet!

Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


BRIEF OKTOBER 2021


Liebe Freundinnen und Freunde des Frauenbundes!

In der ersten Oktoberwoche habe ich Wittenberg besucht. Es gibt zwar in diesem Jahr kein großes Reformationsjubiläum, aber die ganze Stadt Wittenberg steht trotzdem unter dem Zeichen der Reformation. Und das Jahr 1521 war ja das Jahr, in dem Martin Luther unter Zusicherung freien Geleits vor den Reichstag in Worms geladen wurde, wo er den Widerruf verweigerte. Kaiser Karl V. verhängte dann, wie bekannt, über Luther die Reichsacht und ließ 1521 seine Lehre verbieten. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise versteckte Luther auf der Wartburg, wo dieser mit der Bibelübersetzung begann.

In Wittenberg hat sich in den letzten 30 Jahren ungeheuer viel verändert. Vor allem das "Lutherhaus", das ehemalige Augustinerkloster oder "Schwarze Kloster" (so genannt nach der schwarzen Kuttenfarbe der Mönche) ist grundlegend renoviert worden und beherbergt heute das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt. Eine Dauerausstellung erzählt vom Leben und Wirken Martin Luthers sowie von den Veränderungen zur Zeit der Reformation. Zu den Exponaten gehören Luthers Mönchskutte, die 10-Gebote-Tafel von Lucas Cranach, Luthers Bibel sowie Handschriften und Medaillen. Die original erhaltene Lutherstube erinnert an die einstigen Tischgespräche des Reformators.

In diesem Hause lebte Luther, zuerst seit 1508 als Augustinermönch und dann, nach der Auflösung des Klosters, mit seiner Frau Katharina von Bora. Auch damals musste das Haus umgebaut werden.

Eine riesige Tischrunde kam dann täglich zusammen: zwischen 35 und 50 Personen wohnten im Haus: Luthers eigene Familie mit 5 Kindern, dazu 6 verwaiste Neffen und Nichten, Studenten und Angestellte. Zum Mittagsmahl (am späten Vormittag) und zur Abendmahlzeit kamen meist noch Freunde dazu.

Zu den später veröffentlichen "Tischreden" (nach Mitschriften von Beteiligten angefertigt) trifft sich allerdings nur ein kleinerer Freundeskreis in der schon genannten Lutherstube. Katharina ist als einzige Frau zugelassen! Und sie sieht die Veröffentlichung nicht nur positiv!

Wie ja bekannt ist, war Katharina von Bora die, die dieses riesige Hauswesen am Laufen hielt. Bierbrauen (man trank meist sogenanntes Dünnbier, weil Wasser nicht zum Trinken geeignet war), Tierversorgung, Feld- und Gartenwirtschaft, Wäsche, Kochen – das alles hatte sie zu organisieren und war selbst in diesen Bereichen tätig.

Und das Geld war immer knapp, trotz der umfangreichen Ländereien, über die Luther später verfügte, denn er gab allen, die bittend zu ihm kamen. Das muss ein häufiger Streitpunkt in der Ehe gewesen sein. Denn Katharina trug die eigentliche Verantwortung und die Rechnungsführung lag in ihren Händen.

Für einen Bereich entwickelte aber auch Luther selbst eine Leidenschaft: nämlich für den Garten. Er schreibt dazu an seinen Freund Spalatin: "Ich hab einen Garten gepflanzt und einen Brunnen gebaut. Komm, und du wirst mit Rosen und Lilien bekränzt." Und einen anderen Freund bittet er, aus Nürnberg Sämereien mitzubringen. Er schreibt: "Schicke nur, so viel du kannst... . Denn mag der Satan wüten, ich will ihn inzwischen verlachen und die Gärten, d. h. des Schöpfers Segnungen betrachten und sie zu seinem Lob genießen.... . Wenn ich am Leben bleibe, will ich Gärtner werden." Das ist er zwar nicht geworden, aber der Garten war sicher für ihn bei all der Gefahr, der er ausgesetzt war, ein heilsamer Ort.

Mit diesen Bildern wollte ich Ihnen einen kleinen Einblick in das alltägliche Leben des Hauses Luther vermitteln. Und es ist gut zu wissen, dass in all der täglichen Bedrohung auch noch so etwas möglich war.

Aber kein Bereich seines Lebens war für Luther ebenso wie für Katharina losgelöst von ihrem tiefen Glauben. Der Glaube war das Fundament, auf dem sich alles entwickelte, der Kräfte weckte, mit Mut und Tapferkeit erfüllte und auch immer wieder Freude schenkte. Er bewahrte nicht vor existentiellen Sorgen, aber er half hindurch.

Besonders beeindruckend war für mich in diesem Haus noch etwas Anderes: Nach den erbitterten Kämpfen des 16. Jahrhunderts, in denen Luther in der katholischen Kirche zur Spottfigur wurde und der Papst für ihn zum Antichristen (beides, vor allem Ersteres ist in dem Museum ausführlich dargestellt), ist heute auch hier die Suche nach dem entscheidend, was uns alle – katholisch oder evangelisch – in unserem christlichen Glauben verbindet. In einer Zeit, in der beiden Kirchen so viel Gegnerschaft entgegengebracht wird, ist es ermutigend, dass dieses Mühen um das Gemein-same erkennbar ist – etwas, was ja auch unseren Frauenbund kennzeichnet.

Zum Schluss nun noch eine Vor-Einladung: Wir planen, uns im November endlich wieder einmal zu treffen. Der geplante Termin ist der 22.11.2021. Es soll kein großes Programm im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem die Begegnung. Im Vorfeld werde ich abklären, was wir beachten müssen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Bis dahin grüßen wir Sie alle herzlich!

Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


BRIEF SEPTEMBER 2021


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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes!

Nun liegen die Sommermonate schon fast hinter uns und der Herbst lässt sich bereits erahnen. Noch sind die Wiesen und Bäume grün, aber eine herbstliche Stimmung ist schon spürbar. Und anderthalb Jahre Corona mit all den Veränderungen und tiefgreifenden Spaltungen in der Gesellschaft sind sicher nicht spurlos an uns vorübergegangen.

Aber wenden wir uns einmal diesem Monat September zu: er ist der Monat der Tag- und Nachtgleiche, also bei uns des Herbstanfangs. Er ist in diesem Jahr in Deutschland Monat der Bundestagswahl. Und er ist ein Monat, in dem ein kirchliches Fest begangen wird, das in den evangelischen Kirchen aber vielfach in Vergessenheit geraten ist: "Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel", wie es in unserem Gesangbuch zu lesen ist. Gefeiert wird dieser Tag am 29. September.

Nun haben ja Engel zur Zeit auch in Deutschland Hochkonjunktur und das merkwürdigerweise nicht in erster Linie in christlichen Kreisen, zumindest nicht in evangelischen, sondern durchaus in säkularen oder vor allem esoterischen Bereichen. Sowohl im Judentum wie auch im Islam werden Engel genannt. In der katholischen und orthodoxen Kirche werden sie ganz selbstverständlich verehrt. Was also sind Engel, wer ist dieser Engel Michael und warum sind sie im offiziellen evangelischen Festkalender so in Vergessenheit geraten?

Über das Letztere kann ich nur Vermutungen äußern: Irgendwie scheint es vielen etwas suspekt zu sein, dass es Kräfte geben könnte, die als Boten Gottes in die Welt hinein wirken. Dass Menschen einander zu Engeln werden können – schön und gut. Dass Engel in der Weihnachtsgeschichte von darstellenden Kindern heißbegehrte Rollen spielen – auch schön und gut. Aber darüber hinaus? Da scheinen Ängste vor einem Rückfall in magisches Denken, in allzu unbeweisbare Spekulationen eine Rolle zu spielen. Und freikirchliche sowie reformierte Traditionen stehen Engelsvorstellungen allgemein eher ablehnend gegenüber

Was sagt uns nun die Bibel, die ja der Ursprung christlicher Engelsvorstellung ist? Die ersten Engel in der Bibel begegnen uns bei der Vertreibung aus dem Paradies. Engel, sog, Cherubim mit dem Flammenschwert (1. Mose 2,24) sind es, die den Zugang zum Paradies verwehren. Und dann wird von Engeln erzählt in vielfältiger Gestalt und und ganz unterschiedlichen Funktionen. Von Schutzengeln (Matth. 18,10), die im Himmel ihren Platz haben über Engel in Menschengestalt (1. Mose 18,2) bis zu Engeln, die im jüdischen Tempel in der Gestalt von Serafim Gottes Lob singen: das "Heilig, heilig , heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll" (Jes. 6,3), das ja in unsere Abendmahlsliturgie eingegangen ist.

Allen gemeinsam aber ist, dass nicht ihr Aussehen entscheidend ist, sondern dass sie Gottes Boten sind. Gottes Botschaft kann Gericht bedeuten (Psalm 78, 49), meist aber Schutz und Segen verheißen, Freudenbotschaft überbringen (Luk. 2, 10+11). Nicht die Engel selbst werden im christlichen Glauben verehrt, sondern Gott, in dessen Auftrag sie handeln.

Von einigen Engeln werden auch Namen genannt, in der Tradition der Kirche wurden sie zu den "Erzengeln". Es sind dies vor allem Michael, Gabriel und Rafael: Rafael ist aus dem Buch Tobias bekannt, Gabriel ist der, der Maria die Geburt Jesu ankündigt und schließlich Michael, der Bezwinger des Drachens als Sinnbild des Bösen.

Michael: nach dem nun eben "Michaelis" genannt wurde. In der bildreichen und oft rätselhaften Sprache der Offenbarung des Johannes wird geschildert, wie Michael als Engelsfürst den Kampf gegen den Drachen und dessen Engel aufnimmt. Dieser Kampf findet im "Himmel" also im Reich Gottes statt. Dort wird der Drache, das Böse, besiegt und auf die Erde geworfen. In den Visionen des Johannes ist also die irdische Welt weiterhin Ort, an dem das Böse seine Macht spielen lässt.

In der christlichen Tradition ist diese kämpferische Vision von Michael aufgenommen worden. Er wird zu dem, der denen zur Seite steht, die den Kampf
gegen das Böse in der Welt aufnehmen. Und so wurde er auch zum "Engel mit dem Flammenschwert", er wurde weiter zu dem, der die guten und schlechten Taten der Menschen aufzeichnet, zum "Seelenwäger". Seine Farbe in der darstellenden Kunst ist Rot.

Soweit in kurzer Ausflug in biblische und kirchliche Traditionen über Engel. Und ich denke, dass auch im evangelischen Bereich sie durchaus ihren Platz haben können und sollen: nicht als Götter oder Göttinnen, nicht als magische Heilsbringer, nicht als niedliche Zierfiguren, sondern als Beauftragte, als Boten Gottes, die in unsere Welt hineinwirken, Gott sei Dank!

Martin Luther hat übrigens in seinem "Morgen- und Abendsegen" Engel genannt: Er betet: "Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde."
An den Morgensegen schließt er an: "Allsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt". Und an den Abendsegen: "Alsdann flugs und fröhlich geschlafen."

Also freuen wir uns, wenn Boten Gottes uns begegnen, in welcher Gestalt auch immer, die als Gottes gute Mächte uns umgeben wollen.

Von den Engeln zu den Fragen, wie es mit unserem Frauenbund weitergeht: Wir hoffen, dass wir uns in absehbarer Zeit sehen können, vermutlich nach der zur Zeit geltenden 3 G Regel. Wir werden uns melden, sobald wir da eine Möglichkeit gefunden haben.

Wir grüßen Sie alle ganz herzlich!
Karin Kiworr und Annelen Ottermann


SOMMERBRIEF 2021


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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes,

vor einigen Jahren war ich zu einem 80. Geburtstag eingeladen, in das damals noch bestehende "Haus des Deutschen Weines". Für die Geburtstagsgesellschaft war im 1. Stock auf der Empore eine große Tafel gedeckt. Und wie das bei solchen Geburtstagen ist – es handelte sich um eine sehr unterschiedliche Gruppe: Familie, Verwandte, Freunde waren versammelt. Die jüngsten waren die Enkel, noch Schulkinder, die ältesten Freundinnen und Freunde aus verschiedenen Lebenszeiten. Und wie das auch oft üblich war, ich wurde gebeten, "ein paar Worte zu sagen". Aber dann passierte etwas Überraschendes – die Jubilarin bat mich plötzlich: "Können wir nicht einmal zusammen singen?" Und ich fragte, welches Lied sie sich denn wünschen würde. Die Antwort kam sofort: "Geh aus mein Herz und suche Freud." Nun gab es natürlich keine Gesangbücher, aber einige Strophen waren trotzdem bekannt. Und so sang die ganze Geburtstagsgesellschaft – mit schönen und weniger schönen Stimmen, Alt und Jung. Auf der Treppe sammelten sich rasch einige Leute, die schauen wollten, wo diese ungewohnten Klänge herkamen.

"Geh aus, mein Herz und suche Freud" von Paul Gerhardt

Wie kommt es, dass sich gerade dieses Lied von Paul Gerhardt solcher Beliebtheit erfreut – mittlerweile über 350 Jahre lang? Die Beliebtheit ist sicher nicht allein dem Text zu verdanken, sondern auch der Melodie. Allerdings ist gerade dieses Lied immer wieder neu vertont worden oder es wurden volkstümliche Melodien übertragen, so bereits in der ersten Druckfassung 1653, im musikalischen Andachtsbuch "Praxis Pietatis Melica" mit der Weis "Den Herrn meine Seel erhebt".

Die Melodie, die uns heute geläufig ist, stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert: Augustin Harder (1775–1813) hatte sie zu einem Frühlingslied ("Die Luft ist blau, das Tal ist grün") komponiert. Vergeblich war versucht worden, diese Melodie im Vorläufer des jetzigen Gesangbuchs durch eine andere zu ersetzen (komponiert von Walther Hensel), die Gemeinden rebellierten und in das jetzige EG wurde die ‚alte‘ Melodie wieder aufgenommen, die sich nun auch erstmals in der Neuauflage des Gotteslob, dem Gesangbuch unserer katholischen Schwestern und Brüder, findet. Auch sonst hat dieses Lied eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Natürlich war es immer ein Lied, das in Gottesdiensten gesungen wurde. In der Zeit der Aufklärung wurde es bereits umgestaltet, zu Beginn des 19. Jahrhunderts aber wurden neun Strophen in die Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" (Heidelberg 1808) aufgenommen. Der geistliche Kontext verlor an Bedeutung oder verschwand ganz, wandelte sich zum Volkslied, fand Aufnahme in mehrere Sammlungen von Volks- und Wanderliedern und wurde sogar Teil eines gewerkschaftlich orientierten Liederbuches. In der Folgezeit wurde es zuweilen parodiert oder mit ethischen und sozialen Appellen verbunden.

Aber kommen wir jetzt zum eigentlichen Liedtext: Selten werden ja alle Strophen gesungen. Wer aber einmal sein Gedächtnis trainieren will, kann sie ja alle auswendig lernen und dann auf Spaziergängen rezitieren …

Das Lied gliedert sich in zwei Teile: zunächst wird eine Sommerlandschaft vor unseren Augen gemalt. Wir können uns richtig vorstellen, wie der Dichter Paul Gerhardt einen Spaziergang durch die sommerlichen Gärten, Wiesen und Wälder macht, alles auf sich wirken lässt und die Eindrücke in Worte fasst – und das vor dem Hintergrund einer vom 30-jährigen Krieg verwüsteten Welt! Das eigene Herz – oder vermutlich eher ein geliebter Mensch ("geh aus mein Herz"; "und siehe, wie sie mir und dir ...") - wird eingeladen und aufgefordert, die Augen zu öffnen, um die wunderschöne Natur wahrzunehmen. Zur Freude wird gerufen! Für das überquellende Wachstum findet Paul Gerhardt ebenso Bilder wie für die Zartheit der Blüten oder die Klänge der Vogelwelt. Der Wein, der Honig, der Weizen werden gewürdigt. Es sind auch Zeilen dabei, die uns heute eher zum Schmunzeln anregen: etwa die: "die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten."

In der Naturschilderung klingt aber auch schon der Dank an - dafür, dass all das nicht 'einfach da', sondern Geschenk und Gabe Gottes ist. Der Dichter spürt, wie er ganz und gar erfüllt wird von Freude und Dank, die ihren Ausdruck im Singen finden. Das ist Inhalt der 8. Strophe, die in der Regel zu denen gehört, die auch im Gottesdienst gesungen werden.

Ab der 9. Strophe verändert sich der Blickwinkel. Er verlässt die irdische Welt, die wir mit unseren Sinnen erfassen und wendet sich der himmlischen Welt zu, die für Paul Gerhardt ebenso real ist wie die irdische. Und diese himmlische Welt wird mit Bildern der Bibel gefüllt. Die unmittelbare Beziehung zu Gott wird zum Zentrum, singend, lobend, jubelnd wird sie erlebt, in unvorstellbarer Klangfülle.

Ab der 12. Strophe kehrt der Liederdichter wieder in die irdische Welt zurück. Doch das Lob nimmt er mit und setzt es fort. Es folgt die Bitte, dass ihm selbst, seinem Geist und seiner Seele ein solches inneres Wachstum geschenkt werden möge, wie es in der Natur wahrgenommen wird. Zur Pflanze möchte der Dichter werden mit tiefen Wurzeln und schönen Blüten und Früchten. Als solche Pflanze möchte er Teil des göttlichen Gartens werden, der seine Vollendung in der kommenden Welt, im Paradies, findet.

Ich denke, dass dieses Lied eine kleine Kostbarkeit ist: Es will uns überwältigen lassen von der Schönheit, die uns umgibt, es will der Freude und dem Dank Raum geben und will unseren Blick auf Gottes Güte richten und auf die Hoffnung der kommenden Welt.
Natürlich wissen wir alle um die dunklen Seiten der Schöpfung und des eigenen Lebens. Aber es tut doch einfach gut, einmal diese dunklen Seiten nicht in den Mittelpunkt zu stellen, gerade jetzt in dieser Zeit, in der die Negativnachrichten manchmal alles zu überschatten drohen und die Natur auch ihre zerstörerische Macht zeigt.

So lassen wir uns doch von Paul Gerhardt mitnehmen auf den Weg von Hoffnung und Zuversicht, von tiefem Glauben, der neue Kräfte weckt und die Grenzen der sichtbaren Welt überschreitet. Soweit zu diesem Lied – wer den Märzbrief aufbewahrt hat, kann ihn auch nochmal zur Hand nehmen, um die "Reise durch’s Gesangbuch" nachzulesen, die dort ebenfalls Paul Gerhardt galt.

Nun noch etwas, das unseren Ortsverband betrifft: Wir haben uns am 29.07.2021 zu einer Vorstandssitzung getroffen, in der Hoffnung, vielleicht doch in absehbarer Zeit wieder zu einem gemeinsamen Nachmittag des Ortsverbands Mainz einladen zu können. Nachdem die Zahlen der Neuinfektionen aber wieder steigen, wollen wir damit noch warten. Aber falls es im Herbst doch ein Möglichkeit geben sollte, so werden wir Sie so schnell wie möglich informieren. Es wäre doch so schön, wenn wir uns wieder einmal sehen könnten!
Für heute grüßen wir Sie ganz herzlich und wünschen Ihnen eine behütete und möglichst unbeschwerte Sommerzeit.
Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


JUNIBRIEF 2021


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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes,

Reisen sind ja immer noch nur wenig möglich. Deswegen lädt uns Annelen Ottermann zu einer anderen Reise, einer "Reise durchs Gesangbuch" ein. Im Mittelpunkt steht Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, ein Liederdichter, der in einer ganz eigenen Ausprägung seines persönlichen Glaubens seine Lieder geschrieben hat.

Reise durchs Gesangbuch
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und der Pietismus

Als Begleiter unserer Reise durchs Gesangbuch hatten wir in Folge 6 den Barockdichter Paul Gerhardt gewählt und waren erstaunt, wie nah und vertraut uns viele seiner Texte noch heute sind – trotz der zeitlichen Distanz von mehr als 400 Jahren und manch fremden Bildern und Gedanken. Paul Gerhardt hat es uns leicht gemacht. Anders sieht es bei dem Liederdichter aus, den wir in der neuen Folge beleuchten wollen: Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (*1700 in Dresden; + 1760 in Herrnhut), der uns zeitlich zwar näher, aber insgesamt doch deutlich ferner ist.

Versuchen wir es trotzdem und lassen uns diesmal vor allem auf Zeit und Biographie dieser Persönlichkeit ein: Unser Gesangbuch bietet im Anhang einen sehr hilfreichen liedgeschichtlichen Überblick und gliedert das kirchliche Liedgut nach den großen geistesgeschichtlichen Epochen.

Zinzendorf gehört dem Pietismus des 18. Jahrhunderts an und steht damit zwischen der Zeit des Frühpietismus nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Aufklärung. Der Pietismus war die bedeutendste religiöse Erneuerungsbewegung im Protestantismus Europas nach der Reformation. Seiner Frühphase wie auch der Blütezeit gemeinsam ist die starke Verinnerlichung des religiösen Lebens, die Betonung einer unmittelbaren Beziehung des Individuums zu Jesus, in dessen entschiedener Nachfolge das gesamte Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft Gleichgesinnter stand. Dogmatische Streitgespräche und konfessionelle Abgrenzungen, die das religiöse Leben im 16. und 17. Jahrhundert bestimmt hatten, traten in den Hintergrund und machten dem persönlichen Erbauungs- und Erweckungserlebnis Platz. Die Sehnsucht nach einer innigen, fast intimen Glaubensbeziehung zu Jesus Christus fand anfänglich ihren Ausdruck durch Gebete und Lieder in den privaten Bibelkreisen, erfasste aber in der Hoch-Zeit des Pietismus ganze Landeskirchen, Universitäten, Adelskreise und Fürstenhöfen.

Nikolaus Ludwig entstammte dem österreichischen Uradelsgeschlecht der Grafen und Herren von Zinzendorf. Nach dem sehr frühen Tod des Vaters erzog ihn seine fromme Großmutter Henriette Katharina von Gersdorff auf ihrem Witwensitz Gut Großhennersdorf in der Oberlausitz. Ihr Denken jenseits konfessioneller Grenzen beeindruckte den Jungen nachhaltig und ließ ihn zeitlebens nach Ausgleich und Vermittlung zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen suchen. Prägend wurde für ihn die Zeit auf dem Königlichen Pädagogium in Halle, der damals fortschrittlichsten Schule. Als "Erziehungs- und Bildungsanstalt für Kinder aus dem Adel und dem reichen Bürgertum" war sie von August Hermann Francke, dem wichtigsten Vertreter des lutherischen Pietismus, ins Leben gerufen worden.
Statt des Wunschstudiums der Theologie hatte Zinzendorf nach Vorgabe seines Vormunds in Wittenberg Jura zu studieren und absolvierte im Anschluss die für Angehörige seines Stands gemäße Kavalierstour zu europäischen Metropolen, die ihm Zugang zu den höchsten adligen und königlichen Höfen verschaffte. Die Begegnung und Freundschaft mit dem mächtigsten Kardinal Frankreichs bestätigte und bestärkte seine von ökumenischer Weite gekennzeichneten Religiosität.
Frühe Vertrautheit mit Kirchenliedern, Bibelstudium und das Erleben intensiver christlicher Gemeinschaft waren grundlegende und lebensbestimmende Elemente für Zinzendorf, bestimmten seine Frömmigkeit und schufen strenge religiöse Grundsätze, an denen er auch in den Zeiten von Studium und Bildungsreisen diszipliniert und unbeirrbar festhielt.
Die barocke Verschwendungssucht Kurfürst August des Starken, seines Landesherrn, und dessen aus politischem Kalkül vollzogene Konversion zum Katholizismus kritisierte Zinzendorf, doch hielt ihn das nicht davon ab, für mehr als ein Jahrzehnt die sichere Stellung eines Hof- und Justizrats am sächsischen Hof anzunehmen.
Gegen Ende dieser Zeit erwarb Zinzendorf von seiner Großmutter Gut Berthelsdorf in der Oberlausitz, nahm im umgebauten Schloss mährische Glaubensflüchtlinge auf und ermöglichte ihnen, sich am dortigen Hutberg niederzulassen. Die Böhmischen Brüder, eine bis ins Spätmittelalter zurückgehende religiöse Gemeinschaft, gaben ihrer Ansiedlung den symbolischen Namen "Herrn-Hut" und konstituierten sich 1727 als eigenständige "Herrnhuter Brüdergemein(!)e" neu. Zu ihren Kernaufgaben sollte bald die Missionsarbeit auf mehreren Kontinenten gehören.
Viele von uns schätzen die "Herrnhuter Losungen" , das in 50 Sprachen übersetzte protestantische Andachtsbuch mit der größten Verbreitung weltweit. Es hat seinen Ursprung in Zinzendorfs Singstunden der Brüdergemeine genommen und erscheint seit dem Erstdruck von 1731 bis heute ununterbrochen, immer mit einer ausgelosten Passage aus dem Alten Testament, einen dazu passenden neutestamentlichen Text und einem Lied oder Gedanken als drittem Element.
Der studierte Jurist und theologische Autodidakt Zinzendorf, der zwischenzeitlich als lutherischer Theologe ordiniert worden war, bestimmte die Religiosität der Brüdergemeine voll umfänglich. Ihre Eigenständigkeit lebte sie so ausgeprägt aus, dass sie von der sächsischen Landeskirche als Gefährdung angesehen wurde und Zinzendorf als ihr geistiger Vater das Kurfürstentum vorübergehend verlassen musste, später aber als Prediger und mit seiner Herrnhuter Gemeinde toleriert wurde.
Zinzendorf bezeichnete das Gesangbuch als "eine Art Antwort auf die Bibel, ein Echo, eine Fortsetzung" und maß den Liedern in den gemeindlichen Singstunden und Gottesdiensten einen sehr großen Raum ein. Um den Brüdern das Liedgut leichter zugänglich zu machen, brachte Zinzendorf neue Gesangbuch-Ausgaben heraus, so 1725 die "Sammlung Geist- und lieblicher Lieder", mehrfach aufgelegt und mit Anhängen versehen.
Von den rund 2000 Liedern, die Zinzendorf textete, haben es in die aktuelle Ausgabe unseres Evangelischen Gesangbuchs nur sechs geschafft, aber nur drei werden in unseren Gottesdiensten gesungen: "Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir" (198), "Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh" (251) und dann vor allem das wohl bekannteste "Jesu geh voran auf der Lebensbahn" (391), ein auf zwei Gedichte Zinzendorfs fußendes Pilger- und Nachfolgelied.
Nur den wenigsten dürfte bewusst sein, dass sie seit Kindertagen vor dem Essen ein Gemeinschaft stiftendes Tischgebet sprechen, das auf Zinzendorf zurückgeht: "Komm, Herr Jesu, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast." Im Gesangbuch ist es bei den Gebeten unter Nr. 836 berücksichtigt.
In der Fachliteratur wird Zinzendorf durchgängig als einer der bedeutendsten Dichter des Pietismus gewürdigt, zugleich aber wird betont, dass diese große Persönlichkeit der Frömmigkeitsgeschichte schwierig, voller Spannungen und Eigenwilligkeiten gewesen ist. Diese Ambivalenz äußert sich auch in seiner Lyrik, in der wir geniale Reime und große mystische Sprachbilder als Ausdruck seiner empfindsamen seelischen Regungen würdigen und zugleich befremdet auf seine Herzensergüsse, seine übersteigerte Blut- und Wunden-Theologie, die innige Heilands-Nachfolge und Formulierungen von übersteigerter Innigkeit und Erbaulichkeit reagieren.
Und das geht interessanterweise nicht nur uns so: Schauen wir auf die Quellenangaben unter den Liedern Zinzendorfs im Gesangbuch, so stoßen wir zweimal auf den Hinweis, sie seien 1778 überarbeitet worden. Tatsächlich hat schon die Generation nach Zinzendorf seine Bildersprache als schwer erträglich, extravagant und teilweise anstößig empfunden. Der Oberlausitzer Geistliche und Kirchenmusiker und spätere Bischof in Herrnhut, Christian Gregor, bearbeitete eine Vielzahl von Versen Zinzendorfs, kürzte, schrieb um und strich, damit sie für das Gesangbuch der Brüdergemeine wieder singbar und in ihren Aussagen begreifbar wurden.
Dass ihm dies gelungen ist, beweisen unsere Gesangbuchnummern 251 und 391 – doch überzeugen Sie sich selbst!

Soweit die "Reise durch das Gesangbuch". Wir hoffen, dass diese Reise Ihnen Freude gemacht hat. Vielleicht haben Sie selbst auch schon einmal die Gelegenheit gehabt, Herrnhut zu besuchen. Der Ursprungsort der weltweiten Brüder-Unität ist ja bis heute lebendiges Erbe und lässt seine jahrhundertealte Geschichte an verschiedenen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten im Ort erleben und spüren.

Für den Monat Juni grüßen wir Sie ganz herzlich. Bleiben Sie gesund und behütet!
Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


MAIBRIEF 2021


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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes,

vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an eine gemeinsame Wanderung durch den Botanischen Garten in Mainz. Herr Prof. Zwickel hatte uns damals geführt: Im Jahr 2001 war im Botanischen Garten eine Sonderausstellung eröffnet worden unter dem Thema "Pflanzen der Bibel". Aber nicht nur in Mainz – unter wissenschaftlicher Leitung –, sondern auch in sehr vielen Kirchengemeinden in ganz Deutschland entstanden in den vergangenen Jahren "Bibelgärten" als Oasen der Stille und der blühenden Schönheit.

Nun ist der Monat Mai ja wie kein anderer im Jahr der Monat, an dem die Natur gleichsam explodiert: überall wächst und blüht es, Vögel singen und der Duft von frischem Gras und blühenden Blumen erfüllt die Luft. Und wie gut tut das gerade in dieser Coronazeit nach den langen Monaten des Winters!

Pflanzen der Bibel

Und so soll heute einmal das Thema dieses Briefes "Pflanzen der Bibel" sein. Denn die Bibel ist voll von Pflanzenbezeichnungen, von Schilderungen einzelner Pflanzen, von Gleichnissen, in denen Pflanzen zum Sinnbild werden. Das beginnt bereits in der Schöpfungsgeschichte, in der der Erschaffung der Pflanzen besonderes Augenmerk gilt, verbunden mit dem Auftrag zu bebauen und zu bewahren (Genesis 1, ,11 ff und Genesis 2, 15). Allerdings geht es bei den Beschreibungen in der Bibel nie einfach nur um botanische Klassifizierung, sondern immer um eine Aussage, die in Beziehung zum Glauben steht.

Eine wichtige Rolle spielen 7 bestimmte Pflanzen, die den Reichtum des verheißenen Landes andeuten, das Land, in das die Israeliten der Überlieferung gemäß nach der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei von Gott geführt wurden.

Die Sieben ist ja eine heilige Zahl, die Zahl der Vollkommenheit. Und die "7Arten" die genannt werden, sind Weizen, Gerste, Weinstock, Feige, Granatapfel, Ölbaum und Dattel. So heißt es im 5. Buch Mose (Deuteronomium): "Wenn der Herr, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen musst, in dem es dir an nichts fehlt (…), dann vergiss den Herrn, deinen Gott nicht." "Honig" bezieht sich dabei wohl auf die Früchte der Dattelpalme, aus denen ein honigartiger Sirup gewonnen wurde.

Von diesen 7 Arten habe ich heute einmal die Feige gewählt, die eingangs auf dem Bild zu sehen ist:
Seit frühester Zeit ist sie eine Kulturpflanze, die überall im Mittelmeerraum anzutreffen ist, vermutlich aber ursprünglich aus den asiatischen Tropen stammt und evtl. von der Assyrern in dieses Gebiet gebracht worden ist. Nicht nur in Vorderasien, sondern z. B. auch in Griechenland ist ihr Vorkommen seit 1600 v. Christus bezeugt. Im alten Ägypten galt sie als heiliger Baum. Bei Ausgrabungen in Geser, einer Stadt westlich des judäischen Gebirges, wurden getrocknete Feigen aus der Zeit 5000 v. Chr. gefunden.

"Feige" ist eigentlich nur der Oberbegriff für eine mehrere 100 Arten umfassende Gattung. Aber nur die sog. "echte Feige" (ficus carica) war für die Ernährung wichtig. Was ist das Besondere: Sie verfügt über einen sehr hohen Zuckergehalt, konnte getrocknet oder zu Fladen gepresst für die Zeit gelagert werden, in der keine frischen Früchte verfügbar waren. Und - sehr wichtig in einem Gebiet, in dem Wasser eine Kostbarkeit ist - sie kommt mit wenig Wasser aus und spendet Schatten als ein Baum, der immerhin etwa 5 Meter hoch werden kann. Die sog. Maulbeerfeige (die aber als Nutzpflanze unwesentlich ist) kann sogar 10 - 15 Meter hoch werden.

Die hebräische Bezeichnung für den Feigenbaum ist teenah die Früchte heißen teenim, ein Kuchen aus getrockneten Feigen develah. In viele Eigennamen sind diese Namen eingegangen.

In der Bibel ist die Feige der erste Baum, der namentlich genannt wird: Im Garten Eden bedecken Adam und Eva nach dem Sündenfall ihre Nacktheit mit einem Feigenblatt. Zahlreiche Stellen nennen sie in ihrer Bedeutung für die Ernährung, unter dem Feigenbaum zu sitzen, gilt als Zeichen des Wohlbehagens (Micha 4, 3 - 4), die Zeit des Reifens ist die Zeit der Fülle und der Freude (Hoheslied 2, 11 - 13).

In den Evangelien finden wir sie in zwei Gleichnissen Jesu: Zum einen Matthäus 24, 32 - 33: Jesus nimmt sie zum Sinnbild dafür, wie das nahende Weltende zu erkennen ist. Zum anderen Lukas 13, 6 - 9, wo sie Beispiel für die Geduld Gottes ist.

Das war eine kleine Beschreibung einer der wichtigen biblischen Pflanzen. Vielleicht besitzen sie ja selbst in Ihrem Garten einen Feigenbaum – mir wurde vor 2 Jahren einer geschenkt, der allerdings bisher noch keine Früchte getragen hat. Offenbar brauche ich auch noch etwas Geduld und er vielleicht etwas mehr Pflege! Aber auf den Wochenmärkten finden Sie die frischen Feigenfrüchte, wenn Erntezeit ist, und getrocknete Feigen ohnehin das ganze Jahr.

Und nun wüschen wir Ihnen allen einen Monat, in dem Sie sich an dem erfreuen können, was zu wachsen und zu blühen beginnt, trotz allem, was uns zurzeit ja noch mit Sorge erfüllt. Aber vielleicht dauert es ja nicht mehr so lange, bis wir uns tatsächlich einmal wieder sehen können.

In dieser Hoffnung grüßen wir Sie ganz herzlich. Gott behüte Sie!
Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


MÄRZBRIEF 2021


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Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes!

Jetzt ist es ein ganzes Jahr her, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Am 9. März 2020 fand unsere letzte Veranstaltung oben auf dem Lerchenberg in der gewohnten Form statt mit Kaffee und Kuchen und einem Vortrag mit Aussprache. Keine von uns hätte wohl damals sich auch nur entfernt vorstellen können, was diese Pandemie für uns alle bedeuten würde. In dieser Woche vom 9.-16. März 2020 trafen wir uns im Frauenbund, ich hatte eine letzte Chorprobe, die Schulen waren noch geöffnet. Am Sonntag damals hätte ich einen Gottesdienst halten sollen, der am
Freitag davor abgesagt wurde. Und ab Montag begann der 1. Lockdown! Und noch immer wissen wir nicht, wann sich das ändern wird.

Aber bei allen Einschränkungen empfinde ich es nach wie vor erstaunlich, mit wie viel Phantasie Ideen entwickelt werden, die neue Möglichkeiten erschließen auf so vielen Gebieten. Und so spricht auch der Leitspruch für die Passionszeit, in der wir uns ja befinden, in diesem Jahr nicht von einem Verzicht, sondern von einer Befreiung. "Sieben Wochen ohne Blockaden" heißt er. Er will uns einladen dazu, nicht auf das Negative zu schauen, sondern auf das, was möglich ist. Er will uns aufmerksam machen auf die Bereiche, in denen wir uns selbst blockieren. Und ich denke, jeder und jede von uns kennt im eigenen Leben solche Blockaden, die uns in Mauern einschließen, die wir selbst aufbauen und durch die wir uns von gelingendem Leben trennen. Passion ist ja nicht nur ein Gedenken an die Leidenszeit Jesu, sondern will immer in das eigene Leben hineinwirken. Und Passion Christi ist eine Befreiungsgeschichte, Befreiung von den zerstörerischen Mächten der Angst und des Zweifels.

Und auf diesem Weg kann die "Reise durchs Gesangbuch" von Dr. Annelen Ottermann Anregung und Hilfe sein, in der wir den fröhlichen und von tiefstem Vertrauen geprägten Glauben Paul Gerhardts besser kennen lernen.

Reise durchs Gesangbuch
Paul Gerhardt, der Sänger des fröhlichen Glaubens

Unsere Reise durchs Gesangbuch führt uns zu Paul Gerhardt. Damit knüpfen wir an den vorherigen Beitrag dieser Serie an, in dem wir Jochen Klepper als ihm ebenbürtig genannt hatten. Klepper, den Psalmisten unserer Tage, hatten Paul Gerhardts Lieder im Leben und sogar bis in seine letzte Todesstunde begleitet.
In der Literaturgeschichte lassen sich viele Dichterinnen und Dichter finden, die sich mit Paul Gerhardt auf ganz unterschiedliche Art und Weise beschäftigt haben, die aber allesamt von seiner geistlichen Lyrik beeindruckt waren: Zu nennen sind etwa Christian Fürchtegott Gellert, Gottfried August Bürger, Matthias Claudius, Friedrich Hebbel, Joseph Freiherr von Eichendorff, Theodor Fontane, Heinrich und Thomas Mann, Hermann Hesse, Gottfried Benn, Albrecht Goes, Stephan Hermlin, Gabriele Wohmann, Günter Grass und Eva Zeller.
Die musikalische Vertonung der meisten Gerhardt-Texte leistete Johann Crüger, der Kantor an der Berliner Nikolaikirche, für dessen "Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen" Gerhardt 1653 in der 2. Auflage 83 Lieder beisteuerte. Crügers Nachfolger Johann Georg Ebeling schuf ebenfalls Melodien und Chorsätze zu Gerhardts Dichtungen. Ganz wichtig für die Bekanntheit Paul Gerhardts wurde Johann Sebastian Bach, in dessen Kantaten, Oratorien und Passionen sich mehr als 30 Chorsätze zu seinen Liedern finden.
Und auch wir selbst sind geprägt von Paul Gerhardt-Liedern, haben viele insgesamt oder in Zitaten und einzelnen Formulierungen im Ohr. Dass wir aber oftmals gar nicht wissen, wer diese Zeilen gedichtet hat, ist symptomatisch: Paul Gerhardt verschwindet hinter seinen Texten, obwohl er doch dazu gehört! Unsere Reise streift deshalb auch das Leben dieses Barockdichters, der vor mehr als 400 Jahren in Gräfenhainichen geboren wurde und nach dem Besuch der elitären Fürstenschule in Grimma Theologie im nahen Wittenberg studiert hatte. Die von Kriegen, Hungersnöten, Seuchen und Vertreibungen geprägte Zeit war unruhig, ihre Strukturen in Auflösung, ihre Menschen verunsichert. Nicht allein die 30 Kriegsjahre und all ihre Folgen erlebte Gerhardt mit, er musste auch von klein auf persönliche Schicksalsschläge in der engsten Familie hinnehmen, den Tod beider Eltern und von Geschwistern und dann später als Familienvater in dichter Folge das sehr frühe Sterben von vier seiner fünf Kinder.
Auch konfessionell waren die Zeiten instabil und krisengeschüttelt. Paul Gerhardt selbst wurde Opfer der konfessionellen Wechsel und Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten. Nach seiner ersten Pfarrstelle in brandenburgischen Mittenwalde berief ihn der Berliner Magistrat auf die zweite Diakonatsstelle an der Nikolaikirche zu Berlin. Dort wurde er 1667, im Todesjahr seiner Frau, des Amtes enthoben, weil er den Eid auf das Toleranzedikt Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten, verweigerte, das den lutherischen Geistlichen politische Stellungnahmen und polemische Äußerungen gegen die Reformierten untersagte. Nach 10 Jahren wechselte der lutherische Prediger daraufhin in den Spreewald nach Lübben, wo er 1676 starb. Die damalige Nikolaikirche, in der er begraben wurde, trägt seit 1930 seinen Namen.
Uns mutet es heute fast unverständlich an, wie Paul Gerhardt unter so schwierigen Umständen zum Sänger des fröhlichen Glaubens werden und seine christliche Überzeugung in die Worte kleiden konnte, die ihn zu einem der größten Kirchenlieddichter machen sollten.
Das Leitseil seines Lebens war das Vertrauen auf die Treue Gottes, und davon legen seine Dichtungen Zeugnis ab. Es sind 139 deutschsprachige und 15 lateinische Texte Liedtexte, die von Paul Gerhardt überliefert wurden. Wer sie in ihrer Gesamtheit betrachtet, erkennt, dass der Dichter nichts ausblendete, nichts beschönigte, sondern sich dem Leben stellte, den ganzen Menschen, die ganze Schöpfung, Sonne, Mond und Sterne, Alltage und Festtage, Jahreszeiten, Schwellensituationen des Lebens, Ehe und Familie, Helles und Dunkles, Freudiges und Tragisches, Kriege, Krankheiten, Hungersnöte, Seuchen, Schicksalsschläge, menschliche Laster und menschliche Leistungen in den Blick nahm und zum Gegenstand seiner Dichtung machte.
Gerhardt beherrschte die Kunst der barocken Versdichtung so virtuos, dass sie nicht gekünstelt wirkte. Dabei blieb seine Sprache in ihrer Klarheit und Schlichtheit bewusst volks- und lebensnah und den Menschen des 17. Jahrhunderts unmittelbar zugänglich.
Auch heute noch erreicht und berührt uns seine Dichtung und besitzt eine starke Beharrungskraft – trotz mancher sperriger Formulierungen und rätselhaft-befremdlich wirkender Bilder und Vorstellungen, die unverkennbar aus einer vergangenen Zeit stammen. Mehr noch: Seine Lieder und Gedichte gehören neben Grimms Märchen und noch vor Luthers Bibelübersetzung zu den bekanntesten deutschsprachigen Texten überhaupt. Das ist das Faszinierende an Paul Gerhardt, dass er es vermocht hat, mit seinen Texten den Abstand von 400 Jahren zu überbrücken. Aus einer konfessionell aufgeladenen und unbefriedeten Epoche kommend, schaffte er es über seine Lieder, Brücken zwischen den Konfessionen zu bauen. Seine Texte fanden Eingang in die Gesangbücher der reformierten und freikirchlichen Gemeinden. Wie ein Blick in das aktuelle "Gotteslob", das Gesangbuch unserer katholischen Schwestern und Brüder, zeigt, wurden 8 Lieder des Dichters aufgenommen, eines davon findet sich im Mainzer Diözesanteil. (GL 81, 101, 256, 289, 369, 403, 418, 814) Auch sprachliche Grenzen half er zu überschreiten, wurden doch Paul Gerhardt-Lieder in viele europäische, ja sogar afrikanische und asiatische Sprachen übersetzt.
Schlagen wir nun unser Evangelisches Gesangbuch auf: Was hat darin Eingang gefunden, was ist geblieben? Ein Blick ins Register führt uns zu 26 Liedern von Paul Gerhardt, und diese starke Präsenz ist ganz wesentlich für die Breitenwirkung und Bekanntheit seines Schaffens verantwortlich.
Die 26 Nummern sind auf fast alle Kapitel des Gesangbuchs verteilt: das Kirchenjahr mit Advent (Wie soll ich dich empfangen), Weihnachten (Fröhlich soll mein Herze springen; Ich steh an deiner Krippen hier; Kommt uns lasst uns Christum ehren), der Jahreswende (Nun lasst uns gehn und treten), Passion (Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld; O Welt, sieh hier dein Leben; O Haupt voll Blut und Wunden), Ostern (Auf, auf, mein Herz mit Freuden) und Pfingsten (Zieh ein zu deinen Toren); der Lauf des Tages vom Morgen zum Abend (Wach auf, mein Herz und singe; Lobet den Herren, alle, die ihn ehren; Die güldne Sonne; Nun ruhen alle Wälder), Natur und Jahreszeiten (Geh aus, mein Herz und suche Freud), Arbeit (Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun), Sterben und Ewiges Leben (Ich bin ein Gast auf Erden), Angst und Vertrauen (Befiehl du deine Wege; Warum sollt ich mich denn grämen?; Gib dich zufrieden und sei stille), Rechtfertigung und Zuversicht (Ist Gott für mich, so trete), Psalmen und Lobgesänge (Herr, der du vormals hast dein Land; Du meine Seele, singe), Loben und Danken (Nun danket all und bringet Ehr; Ich sing dir mit Herz und Mund; Sollt ich meinem Gott nicht singen?).
So viele dieser Liednummern sind uns mit einzelnen Strophen im Schlaf vertraut; sie sind in Text und Melodie in unserem spirituellen Vorratslager und musikalischen Gedächtnis abgespeichert – ein mobiler Liederschatz, jederzeit abrufbar, wenn wir ihn brauchen. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, dass man ihn früher im Konfirmandenunterricht auswendig lernen ließ??
Es würde den Platz sprengen, wollten wir ausführlich auf alle äußerst strophenreichen Liedtexte eingehen. Stellvertretend sei deshalb hier nur auf drei Nummern hingewiesen:
Da ist das Lied "Ich singe dir mit Herz und Mund", das Gerhardts Lebensüberzeugung und auch seinen selbst gewählten Auftrag verdeutlicht: von Gottes Liebe zu singen, egal, wie das Leben gerade spielt, singen als Dank und Lob, singen als Trost und Seelsorge, singen gegen die Angst. Oder "Fröhlich soll mein Herze springen", das herrliche Weihnachtslied, dessen Metrum durch die von Gerhardt eingesetzten Hebungen (1 x 4, 2 x 2, 1 x 3 betonte Silben pro Zeile) die Worte ins Schwingen versetzt, sie hüpfen lässt. Und dann natürlich "Befiehl du deine Wege", ein dichterisches Kunstwerk, bei dem die Anfangsworte der zwölf Strophen als so genanntes Akrostichon den Psalmvers 37,5 bilden: "Befiehl dem Herren dein’ Weg und hoff auf ihn, er wird’s wohl machen". Gerhardt setzt hier die für seine Zeitgenossen und sich selbst bestimmende Spannung des Christen zwischen menschlichem Unbehaustsein und Beheimatung bei Gott lyrisch um und legt mit diesem Weg- und Vertrauenslied ein uns bis heute berührendes Zeugnis als Wanderer im Glauben ab.
Schaffen wir es, zumal in diesem uns so viel abverlangenden Jahr, auch nur ein Quentchen davon zu übernehmen?

Lassen wir uns also anstecken von diesem Glauben! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Passionszeit und ein zuversichtliches Hingehen auf Ostern!

Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann



JAHRESLOSUNG 2021

Bild: Stefanie Bahlinger

Liebe Freundinnen, liebe Freunde unseres Frauenbundes!

In den vergangenen Jahren fand unsere erste Zusammenkunft des Frauenbundes im
Neuen Jahr immer Mitte Januar statt und Thema war die jeweilige neue
Jahreslosung, die – anders als die täglichen "Herrnhuter Losungen" -
von einem ökumenischen Gremium ausgewählt wird. Nun können wir in diesem Jahr
nicht zusammen sein, aber die Jahreslosung soll doch im Mittelpunkt dieses 1. Briefes
im Neuen Jahr stehen. Sie findet sich im Lukasevangelium, im 6. Kapitel, Vers 36:
"Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist."

"Barmherzig" sein – ein heute nicht mehr so häufig gebrauchtes Wort. Und es hat,
wenn es denn benutzt wird, einen eher negativen Beigeschmack: Wer möchte schon
auf Barmherzigkeit angewiesen sein! Aber die Barmherzigkeit spielt im Judentum,
im Christentum und im Islam eine bedeutende Rolle. Sie ist eine Kennzeichnung
Gottes, der als der Barmherzige geglaubt wird. Es ist sinnvoll, hier einmal auf die
sprachlichen Ursprüngen dieses Begriffes zu schauen:

Im Hebräischen ist es der Plural von rächäm: rachamim, im Griechischen im Lukasvers
ein etwas selten gebrauchtes Wort: oiktirmon, im lateinischen misericordia.
Das Lateinische im am einfachsten zu übersetzen: "ein Herz für die Armen haben."
Und so haben zahlreiche Bilder der Jahreslosung auch ein Herz dargestellt. Im
Griechischen bedeutet es " Mitleid haben" oder "barmherzig sein". Und schillernd ist
dieser Begriff im Hebräischen: Er kann "Mutterleib" (Singular) bedeuten, "Eingeweide"
als Sitz des tiefsten Mitgefühls, und dann eben "Erbarmen" und "Barmherzigkeit".

Bleiben wir einmal die dem hebräischen rachamim. Da ist Barmherzigkeit oder
Erbarmen tatsächlich eine Wesensäußerung Gottes, die seinem Innersten entspringt,
die eine Geborgenheit schenken will, wie sie ein ungeborenes Kind im Mutterleib
erfährt.

Das Bild, das ich ausgewählt habe, lässt diese Geborgenheit ahnen. Das Kind ist
umfangen von einer Hülle, wie eben ein Embryo im Mutterleib, aber es ist bereits
eingehüllt in ein weißes Tuch, auf dem das Kreuzeszeichen sichtbar ist. Es ruht auf
einem roten Untergrund, der sich in Orangetöne wandelt und nach oben hin in weiße
Linien auflöst. Weiß – die Farbe Jesu Christi, Orange, die Farbe des Heiligen Geistes,
Rot, die Farbe der Kirche. Gemalt ist das Bild auf einfachem Sackleinen. Gebrochene
Linien durchziehen das Bild, doch die weißen werden zu einer Art gotischem
Spitzbogen zusammengeführt.

Ich denke, damit hat die Künstlerin Stefanie Bahlinger versucht, das Wesen der
Göttlichen Barmherzigkeit anzudeuten: sie ist von einer ungeheuren Spannung erfüllt:
Zerrissene Linien, einfachstes Leinen auf der einen Seite, tiefste Geborgenheit auf
der anderen Seite. In diesem Kind begegnen wir ihr, in diesem Kind in der Krippe, das
wir an Weihnachten gefeiert haben. Es kommt und erlebt die zerrissenen Linien
unserer Welt. Es erlebt die äußere und innere Armut unserer Welt und ist zugleich
zutiefst geborgen in der göttlichen Welt und schenkt Geborgenheit.
Im Kreuz liegt beides: das ungeschönte Leid und seine Heilung. Und so kann das Kind
helfen, dass die zerrissenen Linien sich zusammenfinden in Bögen, die nach oben
streben.

Barmherzigkeit Gottes: sie will für jeden von uns erfahrbar werden in der Begegnung
mit ihm. Sie will uns umhüllen mit einer Geborgenheit, aus der uns nichts reißen kann,
kein persönliches schweres Geschick, kein Coronavirus, nicht all das in der Welt, das
uns mit tiefer Sorge erfüllen mag. Sie will uns die Augen und die Herzen öffnen, wenn
wir vom Kind in der Krippe kommen, Spuren dieser Barmherzigkeit auch in unserem
Alltag wahrzunehmen.

Aber sie will uns auch mit neuem Mut erfüllen: "seid barmherzig", so beginnt ja die
Jahreslosung. Sie will uns barmherzig werden lassen, auch mit uns selbst. Aber dann
will sie uns auch aufbrechen lassen zum Menschen neben mir, zur Welt in der ich lebe.
Sie will uns mit Phantasie und Tatkraft erfüllen, die Not anderer zu sehen. Und dieses
eigene "Barmherzig-Werden" , das kann nur auf dem Boden sich entfalten, der
genährt ist von der Barmherzigkeit Gottes.

Ich glaube, in diesem vergangenen letzten schweren Jahr haben wir bereits viel
erfahren von solch tätiger Barmherzigkeit. Wie mit so viel Phantasie überlegt wurde,
wie denen geholfen werden konnte, die plötzlich auf Hilfe angewiesen waren. Wie in
vielen Berufen neue Wege des Miteinanders gesucht wurden. Wie Gemeinden mit
großem Einsatz versucht haben, auf bisher noch nie erprobten Wegen zu verkündigen
und Begegnungen untereinander zu ermöglichen - wenn auch meist auf virtuelle Weise.
Wie auch Humor und Fröhlichkeit immer wieder dunklere Stunden erhellt haben – wie
viele unvergessliche Videos sind in dieser Zeit verschickt worden!

Ich glaube, dieses vergangene Jahr hat uns einmal innehalten lassen, dass wir uns
darauf besinnen konnten, was wichtig ist im Leben. Und es hat uns vielleicht spüren
lassen, wie die Barmherzigkeit Gottes in seiner Kirche lebendig sein will, wie sein
Geist uns Freude und Mut schenken will.

So möge Gott uns barmherzig werden lassen in diesem neuen Jahr.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Ganz herzliche Grüße!
Ihre Annelen Ottermann und Karin Kiworr



120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund e. V. - eine kleine Skizze

Der Bundesverband des Deutschen Evangelischen Frauenbunds e. V. (DEF) hat zu seinem 120-jährigen Jubiläum nach Hannover vom 18. bis 20. Oktober 2019 eingeladen – und alle kamen.

Tagungsort ist das evangelische Stefansstift mit hellen Räumen und Übernachtungsmöglichkeiten, guter Verpflegung und vielen Orten für Begegnungen außerhalb des Programms.

Am Freitagnachmittag lässt die anberaumte Mitgliederversammlung aktuelle Geschehnisse im Bundesverband und den Ortsverbänden sichtbar werden. Nach dem Verlesen von Grußworten: Berichte mit Aussprache. Dietlinde Kunad (Bundesvorsitzende), Irmtraud Pütter (Demografischer Wandel), Hannelore Herbel (AEH Hauswirtschaft), Sigrid Lewe-Esch (AEH Verbraucherschutz) und Luitgard Herrmann (Medien) berichten und diskutieren höchst engagiert mit allen Mitgliedern. Weiterer zentraler Punkt ist die vorgelegte Satzungsänderung des Bundesverbands zu § 2. Von besonderem Interesse ist der Tagesordnungspunkt Blitzlichter aus dem Landes-Vorstandsrat sowie den Ortsverbänden und Anschlussvereinen.

Die umfangreiche Tagesordnung verlangt gemeinsames zügiges Arbeiten – aber wer wäre nicht für thematisch interessante und informative, anregende und humorvolle Beiträge aufgeschlossen. So beschließen alle Teilnehmerinnen den Nachmittag mit einem Brainstorming zu den Themen Die Zukunft beginnt jetzt... Wie kann Verbandsarbeit gelingen? und Der DEF – Das sind wir! Mut zur Übernahme von Verantwortung sowie einer Andacht in der Kirche des Stefansstifts.

Der Samstag läutet den eigentlichen Festakt ein und beginnt mit einem eindrucksvollen musikalisch umrahmten Dankgottesdienst in der Marktkirche von Hannover – gestaltet von der Bundesvorsitzenden Pastorin Hella Mahler und der Superintendentin Dr. Petra Bahr. Auch der anschließende Festempfang im alten Rathaus beeindruckt durch viele Grußworte, denen leider weitgehend stehend zuzuhören ist. So etwa imponiert neben einer Vertreterin des Bundesfamilienministeriums Franz Müntefering mit seiner kleinen zupackenden Rede.

An diesen Vormittag schließt sich der Festakt im Stefansstift an. Zunächst fordern zwei bemerkenswerte Vorträge die Aufmerksamkeit der Zuhörenden. Cornelia Wenzel referiert über die Archivierung des Aktenbestands des Bundesverbands im Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. Frauen gestalten ein Archiv – Einblicke in 120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund. Dank der Weitsicht der jeweiligen Bundesvorsitzenden und eines überraschenderweise existierenden Akten- bzw. Archivierungsplans sind 120 Jahre DEF transparent und gut nachvollziehbar. So seien z. B. alte Briefe und Urkunden, Festschriften, Bau- und Finanzpläne einzusehen und jederzeit zu besichtigen.

Aber Archivarbeit ist das eine, Leitungsaufgabe das andere. Aufschlussreich und wissenswert ist daher im nächsten Vortrag die Sichtbarmachung aller DEF-Vorsitzenden. Ulrike Bösch, Inge Gehlert, Halgard Kuhn und Dietlinde Kunad lassen diese Frauen sprechen: Frauen übernehmen Verantwortung – die DEF-Vorsitzenden im Wandel der Zeit. Mit Akribie und Emphase vorgetragen werden die Persönlichkeiten dieser Frauen nahezu lebendig. Vieles von dem, was bewegt wurde, wird angerissen und deren Arbeitsumfang lässt sich erahnen.

Vor dem festlichen Abendessen am Samstag gibt die aufschlussreiche Diskussion Frauen gestalten Demokratie – Demokratie beginnt am Küchentisch zwischen der Bundesvorsitzenden und Lisi Maier (Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit), Lydia Klein (Verbraucherzentrale Bayern) und Katharina Landgraf (MdB) Einblicke in Leben und Werdegang dieser Frauen in Ost und West. Sie berichten über Herausforderungen, aber auch über ein sie erfüllendes und beglückendes Familien- und Verbandsleben.

Der Sonntagvormittag und ein Worldcafé harmonieren wunderbar - und so bildet der ständig wechselnde intensive Austausch zum Thema Frauen setzen sich ein... den Abschluss der gelungenen Jubiläumstagung im Jahr 2019.

Elke Grün, DEF Mainz

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie unter:

http://www.def-bundesverband.de/ueber-uns/wer-sind-wir/



EHRUNGEN UND AUSZEICHNUNGEN DER PATIENTENBÜCHEREI

Nominierung Deutscher Engagementpreis















BRÜCKENPREIS 2016, verliehen von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz; zugesprochen für bürgerschaftliches Engagement. Eines der Kriterien für die auf uns gefallene Wahl war die "Nachhaltigkeit", d. h. die Tatsache, dass durch die ehrenamtliche Arbeit eines relativ kleinen Vereins 35 Jahre lang vielfältige Brücken gebaut worden sind.



Fotos Brückenpreis: Peter Pulkowski



















Patientenbücherei an der Universitätsmedizin,
Langenbeckstr. 1, Bau 206, 55131 Mainz, Tel.: 17-2679
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